AUF ABWEGEN IN NIEDERBAYERN

Alt ehrwürdiges nun aber doch leerstehendes und vergessenes Bürgerhaus in der sonst ja überperfekten Fussgängerzone von Dingolfing

Ja mei, waas is dänn hiar passiert? Eine Ruine inmitten einer bayerischen Konsumhölle, da hat der Bürgermeister aber seine Hausaufgaben wohl nicht gemacht bzw. erledigt!

Grabschmuck auf dem Friedhof von Reisbach

Rostskulptur von Fritz Koenig, Koenig-Museum, Landshut

Nun danach ein bischen weitergegangen und dann noch über Rost aller Arten gestolpert. Und das nennt sich dann selber gar “Premium-Region”, ja schön fabuliert und phantasiert, letztlich ist Allem immer der Niedergang unwiderruflich sicher.

Fundstück am Wegesrand irgendwo in Niederbayern

Eine andere Hausruine in einer Seitengasse von Dingolfing gut versteckt; und die steht nun schon seit über 50 Jahren so leer herum

Die Zeit steht schon still um die Ecke, eine Sekunde des Innehaltens wird zur Stunde der Wahrheit ganz selbstvergessen und romantisch. Wir brauchen mehr solche Orte der Meditation, dann geht es auch voran mit poetischen Ausblicken auf eine schier unglaubliche Zukunft, in der wir uns ganz und gar verlieren können und selbst zum phantastischen Fundstück am Wegesrand werden!

Die Natur erobert nach und nach diese Vergessenheit  – eine doch willkommene und perfekte Symbiose von Raum und Zeit

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Phillip Boa and The Voodoo Club, Bay Rum, 2023

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URBAN ART HALL BERLIN

Leider gibt es das Projekt “Urban Art Hall” hier in Berlin nicht mehr, die ehemalige Postverteilungshalle wurde vor 4 Jahren abgerissen und es sollte ein Neubau errichtet werden, was bis heute nicht geschehen ist. Jetzt ist nur noch eine urbane Wüste an diesem Ort direkt am Bahnhof Berlin-Spandau. Dies hier sind einige der letzten Eindrücke innerhalb und außerhalb der verrückten und kreativen Halle, die Mitte Juli 2019 aufgenommen wurden. Ein bißchen schwierig, eine angemessene Fotoauswahl zu treffen, da es so viele atemberaubende Werke und geistreiche Kreationen gibt. Es ist wirklich schade, dass dieser coole Ort durch eine verrückte und auch faule Stadtverwaltung ausgelöscht wurde.

Unfortunately, the project “Urban Art Hall” no longer exists here in Berlin, the former postal distribution hall was demolished 4 years ago and a new building was to be constructed, which has not happened to this day. Now there is only an urban desert in this place right next to the train station Berlin-Spandau. These here are some of the last impressions inside and outside the crazy and creative hall, taken in mid-July 2019. A bit difficult to make a proper photo selection as there are so many stunning works and witty creations. It’s a real shame that this cool place was wiped out by a crazy and also lazy city government.

 

Jo’s Monday walk : Festa dos Tabuleiros, Tomar

LUNAVESTA

You stand shyly in the evening sky, daring to look at me from behind the clouds, surrounded by a thousand distant stars, the blue of the stratosphere standing behind them. Loss in another sphere, for three days I give myself to you, your full rays, then something in me wants to leave me, give birth, you stand shyly in the sky. In a thousand lotus blossoms magic, while the full moon descends into a calyx, a secret sealed. I fall into your arms, spreading before me, you who devour me in gazes and feed me out again like raw food. An old presentiment rises in me, where I should turn, forgotten in the evening sky, with which I melt many a night, kneeling down like a madman and sinking into a quiet image. A new symbolism sets in for the coup de grace, a beautiful image from unflowered time rustles in my hair making unforgettable the moment when we vibrated sounding alike. Sounds leap from the loudspeakers, a farewell to the passing, trying to numb the daily pain in effects. Waves give, leveling tides in the brain as swapping under the spell of the sun, waiting for the night.

 

VEB KÜHLOMAT, BERLIN – EIN GRAFFITI-WUNDERLAND

Tatsächlich ist dieser Ort in Berlin einer der seltsamsten und verrücktesten Orte, die ich bisher visualisiert und erkundet habe. Was ich hier zeige, ist jedoch keineswegs umfassend, denn dieses riesige Gelände ist eher ein wildes industrielles Labyrinth von Ruinen im ständigen Wandel, ein echter Abenteuerspielplatz mit unterschiedlichen Gesichtern und vielfältigen riskanten Ambitionen.I

Der Ort ist besser bekannt unter seinem ursprünglichen Namen „Flughafen Johannisthal“ und wurde bis in die frühen 50er Jahre des letzten Jahrhunderts als Flughafen genutzt. Aufgrund ihrer Lage im Ostteil Berlins wurden die Anlagen dann von der Verwaltung der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik unter dem Namen VEB Kühlomat in eine riesige industrielle Produktionsfläche für Kühlgeräte umgewandelt. Nach der Vereinigung Deutschlands wurde dieser Industriestandort Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts geschlossen und liegt nun im Dornröschenschlaf.

Ich habe den seltsamen Ort für ein paar Stunden besucht und daher nur einen Teil des endlosen technischen Dschungels gesehen, in dem die Natur versucht, alles recht schnell wieder zu verdecken. Überall liegen Trümmer im Weg wie durchdachte Hindernisse, aber gefährlicher sind unerwartete Löcher im Gelände und der schlechte Zustand der Hallen, Hangars und Gebäude, in denen es in den letzten Jahren zu mehreren Bränden gekommen ist, was das Gelände nicht sicherer und ein wenig unheimlich macht.

Indem ich also an diesem verzauberten Ort umherschlenderte, begleiteten mich immer viele nervöse und beharrliche Geräusche auf meinem unbekannten Weg, als würde der Boden über sein Schicksal trauern und sich beschweren – ächzende Holzbalken, sich auflösende Wände und ein seltsam scharfer Wind, der um die nächste Ecke heruntergekommen wehte was zu einem widersprüchlichen, aber insgesamt reinem Staunen führt.

Der phantastische Ort zieht viele kreative Menschen an, ein offenen und freien Raum für ihre vielfältigen Ambitionen im Bereich Wandmalerei und Graffiti. Und es ist faszinierend zu erkennen, wie ein wenig Farbe einen Ort des Verfalls in etwas anderes und wieder völlig Neues verwandeln kann.

In der deutschen Hauptstadt gibt es zwar immer noch viele solcher Orte, aber die Zahl nimmt ohnehin ab. Daher ist auch nicht klar, wie lange dieser Standort in seiner jetzigen Form noch bestehen wird, da die Stadt hier in naher Zukunft den Bau neuer Häuser mit dringend benötigten Wohnungen plant.

Wer in dieses Labyrinth eintauchen möchte, findet es in Berlin-Treptow am Segelfliegerdamm. Man muss nur nach Möglichkeiten suchen, um den Zaun zu überwinden, solche Möglichkeiten gibt es immer irgendwo.

P.S.  Alle Photos sind vom September 2018, meine Gesundheit erlaubt derartige Aktivitäten derzeit leider nicht, sonst hätte ich gerne mal wieder vorbeigeschaut.

WEIT WEG

Das 1. Mal auf dem SUP, Naturpark Stechlin, Juli 2023, Foto: Beatrice

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Allein in der Nacht,
verloren in Glockenschlägen
und doch gelassen sinnend
weitermachen im Regenverlies.
Der eine Blitzstrahl aus den Augen,
die Sehnsucht des Rhizoms.

Weitergehen in den Katakomben
der Sinne
und die Schächte des Vertrauens
klatschen die Liebe
in die Gosse der Angst,
wo der Narr erwacht.

Jetzt soweit im Eiingang
des Labyrinths,
denn der Drang nach Nähe
kann noch nicht
die Blüten treiben:
lotoshafter Exzess.

Die Junggesellenmaschine
erbricht sich in den langen faden Stunden
im abgeschiedenen Exil,
die Bremse schleift
solange an den Panzern
bis der Strom sich endgültig entsetzt.

Wohin soll die Reise nur gehen?

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Berlin, 1983

 

ALIENS UND DER UKRAINE-KRIEG HEUTE

“Fake News” sind nicht neu: Vor 80 Jahren sorgte ein angeblicher Radiobericht von einem “Krieg der Welten” in den USA für Aufregung – und löste damals eine große Debatte über Medienkompetenz aus. In Anlehnung an das Buch von 1898 wurde bereits 1938 ein Radiohörspiel von Orson Welles gesendet, in dem die Panik und Emotionen der Menschen sehr authentisch vermittelt wurden.

Steven Spielberg konnte das Original-Script des Autors (Howard Koch) des Hörspiels erwerben. Schon 1953 wurde ein Film unter dem Titel Kampf der Welten von Byron Haskin inszeniert, von dem Spielberg zentrale Passagen und Motive übernimmt, so dass Krieg der Welten neben der Literatur-Adaption auch als Neuverfilmung von Kampf der Welten bezeichnet werden kann.

Und sie lebt weiter die Angst vor den Außerirdischen in unzähligen Büchern und Filmen. Auch die vermeintlichen oder vielleicht auch echten UFO-Sichtungen sind ein Beispiel für diesen modernen Archetyp, Science Fiction als zeitgemäßer Mythos, denn das Irrationale war ja immer ein wesentlicher Wesenszug des homo sapiens. Die Vernunft ist nicht allen Menschen gegeben, davon künden auch alle Kriege dieser Welt bis heute; und der Ukraine-Krieg reiht sich ein in eine Abfolge immer wiederkehrender archaischer Verhaltensmuster.

Mine und Edgar Wasser, Aliens, live in Berlin

Es stellt sich die Frage, ob die Menschheit so eine Zukunft und Perspektive hat; denn echte Lehren wurden nie aus der Geschichte gezogen, dann müsste unsere Welt heute anders organisiert sein und funktionieren. Wie Diplomatie funktionieren kann, war schon vor rund 400 Jahren bekannt. Der Westfälische Frieden von 1648 beendete einen dreißigjährigen Krieg hier in Deutschland und Zentral-Europa.

Dies war der schäbige Weltkrieg des Mittelalters, und ein deutsches Trauma bis zum heutigen Tage. Langwierige und komplizierte Diplomatie schuf damals Frieden, dies wäre auch heute sehr wünschenswert an vielen Orten dieser Erde.

AFTER DADAISM, MAILISM COMES TOURISM

Mailart – a subversive form of expression

Stampart on envelope, Hans-Ruedi Fricker,,Switzerland, 1986

I am very thankful that I was in touch with Hans-Ruedi for many years by mail. And in the 1980s I also visited him at his creative office in Trogen. Me and my wife were his family’s guests in this nice alpine region “Appenzeller Land”. We were just tourists looking for leisure and trying to learn a little bit more about Switzerland.

Yummi! Monstrous windbags enjoyed at Cafe Seeblick, Alt-Globsow, Germany, July 7 2023

And yes, Hans-Ruedi was completely right, tourism is just as important as mail-art. Both bring people from other countries together for a better understanding of our nice blue planet and such securing peace here in Europe and everywhere on Earth.

Programmatic messages by mail, Hans-Ruedi Fricker, Switzerland, 1983

P. S.  I am writing all this as a mere tourist while being some days in the very nice and natural green old village of Alt-Globsow, Mark Brandenburg, Germany

Sun-set at Fürstenberg with Havel river, Germany, July 6, 2023

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MAIL-ART – ANALOG BLOGGING OF THE 20TH CENTURY

 

Object for my “Visions of an Imaginary Spartakiade at the Northpole” Project, Klaus Groh, Germany

People think today that everything is so much better and unique today with all this technical progress and the digital virtual world. But people managed to live quite well with analog techniques in former times, and even blogging did exist long time before in the 20th century (and till today) by using simply the old international postal system which till today connects the world.

Copyart for my “Jungle of Art” Project, Jürgen O. Olbrich, Germany

Collective and wandering art-object, Europe

Creative people following the ideas of fluxus formed in the last century an international mail-art network of artists for collaboration, inspiration and support beyound the commercial and institutionalized forms of visual art. And I have been part of the same in the 80s of the last century such leading to a lot of nice and unexpected surprises when going early in the morning to my letter-box.

Stamps by Pat Fish, Uunited States of America

Mixed technique postcard, Jorge Orta, Argentina

Especially for creative people in the East-European countries this communication was very important and vital before the political changes of 1989 and the years to follow. But also for all others this was an appreciated independent and free gate to the wide world. The collaboration in this network comprised also real projects and challenges like in the blogosphere today.

Serigraph on postcard by Ryosuke Cohen, Japan

“I know nothing than art”, postcard by Robert Rehfeldt, Germany

Very common were mail-art object magazines where for each edition people could send 100 copies or pieces or originals, etc. in a special size, the editor would then compile the diverse entries to 100 diverse mail-art object magazines, and afterwards each participant would receive one copy of this back home by the post.

Quarterly published mailart object-magazine by Vittore Baroni, Italy

Other forms of collaboration in this sector are wandering changing art objects (more on this in a future post), and mail-art shows with special topics where each entry from the diverse countries will in any case be presented in the show whereever (living-room, institutions, public showcase and today also in the internet or blogs) followed by some kind of documentation for each of the participating persons (poster, brochure, small catalogue, etc.).

Stamp-art on envelope by H. R. Fricker, Switzerland

Mail art object by Géza Perneczky, Germany/Hungary

This kind of mutual international exchange follows of course another velocity than the contemporary digital world, but movements like slow cities or slow food proove that not everybody is happy about the recent virtual developments which have happened mainly in the last 2 decades. So, here you see some pure analog artistic stuff like beautiful postcards and envelopes, varied stamp-art and inspiring objects which reached  me via the international postal services.

Collage/Copyart on postcard by Richard Meade, United States of America

The last piece shown here at the very end is really a quite robust-crazy object from my archive brought to me by a postman, a simple red brick with the inscription Einstein standing for both a stone and the famous physician. The brick was delivered by the post unpacked as a parcel, on the backside of the brick my name and adress were also inscripted reminding a little bit to petroglyphs from ancient times.

 

 

BESTEIGUNG DES BERGES SINAI IN ÄGYPTEN

Warum wandert eine weltliche Person wie ich auf den mythologischen Berg Sinai (arabisch: Gebel Musa, 2.285 m) im Oktober 1985? Der Moses-Berg liegt im Herzen einer bergigen Wüste auf der gleichnamigen Halbinsel, nun, ich muß wirklich mein Gehirn und mein Gedächtnis anstrengen, da ich während dieser selbstorganisierten 4-wöchigen Reise durch ganz Ägypten vor langer Zeit kein Tagebuch geschrieben hatte. Zumindest existieren noch ein paar analoge Fotos,  und die müssen daher als unterstützende Schreibanleitung dienen.

In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts war das Reisen viel aufregender und unvorhersehbarer als heute. Zur Vorbereitung meiner Reise nach Ägypten habe ich lediglich ein Flugticket nach Kairo gebucht, ein wenig im Voraus gelesen und einen Reiseführer zur Orientierung mitgenommen, der mich sehr zuverlässig zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Landes führte. Ich hatte jedoch nie ein Problem, irgendwo eine Unterkunft zu finden, nur hingehen und fragen musste ich, während ich manchmal einfach mit Händen und Füßen kommunizierte. Ich sprach kein Arabisch und in Ägypten sprachen nicht alle Englisch, besonders in den ländlichen Gebieten.


Im südlichen Sinai wurden viele Steininschriften aus dem 15. Jahrhundert vor Christus gefunden. Sie sind in Piktogrammen geschrieben, Zeichen, die die Anfangskonsonanten von Wörtern darstellen, deren Bedeutung zuvor durch ein Bild vermittelt wurde – eine entscheidende Phase zwischen bildlicher Darstellung und phonetischer Schrift.

Jean Starcky / Pierre Bordreuil, 1975, “L’Invention de l’alphabet”

Ich erreichte den Sinai mit dem Bus von Kairo nach Suez, dort nahm ich ein Sammeltaxi, einen alten Peugeot, der von einem örtlichen Beduinen mit großem Stolz gefahren wurde. Der Fahrer hielt von Zeit zu Zeit in der Sinai-Wüste an, wo Beduinen in Zelten wohnten, um ein kleines Gespräch zu führen oder um nur einfach mit der rechten Hand zu winken. Die linke Hand darf aus Gründen, die ich nicht im Detail erläutern möchte, nicht zum Begrüßen oder Essen verwendet werden. Das Einzige, was ich in dieser Hinsicht raten kann, immer Taschentücher aus Papier bei sich zu haben, da das gewohnte Toilettenpapier oft nicht verfügbar war, stattdessem nur eine Flasche Wasser. Das Sammeltaxi brachte mich schließlich völlig sicher ins Zentrum des Sinai und zum griechisch-orthodoxen St. Katharinen-Kloster (siehe nächstes Foto unten).


Das Kloster ist ein ziemlich belebter Ort mitten in der Wüste an der Öffnung einer Schlucht am Fuße des Berges Sinai und ist zudem UNESCO-Weltkulturerbe. Das Gebäude ist eines der ältesten christlichen Klöster der Welt und wurde zwischen 548 und 565 erbaut, es bietet auch die älteste kontinuierlich betriebene Bibliothek der Welt. Der Name stammt aus der antiken Überlieferung, dort erzählt man sich die Geschichte von Katharina von Alexandrien, einer christlichen Märtyrerin, die zum Tode durch Rädern verurteilt wurde, als dies sie nicht töten konnte, wurde sie enthauptet. Die christliche Mythologie besagt, dass Engel ihre sterblichen Überreste später zum Berg Sinai brachten, wo Mönche aus dem nahen Kloster ihre Überreste um das Jahr 800 fanden. Viele christliche Pilger besuchen diesen Ort, und das Kloster bietet ihnen und allen anderen, die hier sein und/oder wie einst Moses auf den Berg klettern möchten, eine Bleibe.


Hier in einer spektakulären Wüstenlandschaft mit all diesen alten Geschichten und Erwartungen zu sein, war schon ein ganz besonderes Erlebnis. Soweit ich mich erinnern kann, verbrachte ich zwei Nächte im Kloster, und an einem sehr frühen Morgen um ca. 4 Uhr, als alles noch völlig dunkel und mysteriös war, begann der Aufstieg zum Berg Sinai zusammen mit ungefähr 40 Personen. Zu dieser Zeit ist es in der Wüste kühl und angenehm, so dass das Marschieren nach oben nur etwa 2,5 Stunden auf einem nicht allzu schwierigen Weg dauerte. Kurz vor Sonnenaufgang erreichten wir die Spitze des Berges Sinai, in diesem Moment waren alle umliegenden anderen Berge in ein surreales Blau und Grün getaucht (siehe Foto oben und unten). Es gab eine große Gruppe von Pilgern aus Österreich, die nach dem Singen eines christlichen Liedes mit großem Pathos die Hymne ihrer Heimatlandes Tirols sangen. Dies machte alles nur noch irrealer, weil im Hintergrund ägyptische Kaufleute laut schrien: “Chai. Hot tea.” Und normalerweise würde man am frühen Morgen nicht so viel Leben inmitten einer Wüste auf alpinen Höhen erwarten.


Oh nein, ich habe nun wirklich keine Erleuchtung auf dem Berge Sinai gefunden, aber die magische Berglandschaft war wirklich einen Besuch wert. Die Wüste ist ein sehr puristischer Ort dabei aber auch höchst riskant, sie kann unserer Geist reinigen oder schlichtweg töten. Viele Europäer sehen die Wüste romantisch, wie es detailreich in Filmen wie ‘Lawrence von Arabien’ gezeigt wird. Jeder Beduine zieht es allerdings vor, in einer Oase mit Wasser und Grün zu bleiben – eine simple Frage des Überlebens.


Die Sinai-Wüste ermöglicht viele Entdeckungen wie Canyons aller Farben, prähistorische Tempel oder den Besuch einer alten Oase. Nach meinem Besuch des Berges Sinai verbrachte ich einige Zeit am Roten Meer, zuerst im ziemlich touristischen Sharm El-Sheikh und danach im eher Hippie-ähnlichen Dahab mit einfachen Strohhütten, die von lokalen Beduinen am Strand vermietet wurden. Dort in Dahab war das Leben damals sehr einfach und entspannt, eine wirklich schöne Erinnerung an dieses besondere und erstaunenswerte Land.

 

 

 

 

 

SITUATIONISTIC TRACES

When traveling through the world, a lot of papers and funny things are wandering into pockets or travel bags which are normally just thrown away. For reconstructing what has been seen and visited a diary is always of great help. This here is an example for a possible visual retrospection in form of a collaged trails remembrance, all these pieces were collected during one single year in diverse countries.

Diary of tracks – Libyan Alps, 2004